weicher Hintergrund – Bokeh, so geht’s

Der Begriff Bokeh kommt aus dem japanischen und bedeutet unscharf. Gemeint ist damit natürlich der herrliche unscharfe Hintergrund vor einem scharfen Motiv. Das ist ein Gestaltungsmittel, dass ich sehr, sehr lieben gelernt habe als ich damit begann mich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen.
Beim Freistellen geht es genau darum, dass das eigentliche Motiv in den Fokus gerückt wird und die Umgebung oder der Hintergrund ausgeblendet werden.

Als Grundformel liest man meistens: Nahe ans Motiv ran und eine offene Blende wählen.

Die offene Blende ist sehr hilfreich weil sie den Schärfebereich verschmälert und nahe ran ist eigentlich auch immer gut, trotzdem ist die Thematik eher ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Faktoren,
so dass ich vielleicht gar nicht immer mit Offenblende fotografieren muss. Sehr schön beschrieben hat den Zusammenhang zwischen Blende und Schärfe der Achim Meurer hier.

Abstand zum Motiv

Neben der Blende spielt auch der Abstand der Kamera zum Motiv eine Rolle beim Freistellen.

Grundsätzlich gilt je näher ich am Hauptmotiv dran bin, desto eher entsteht Bokeh.

Die beiden Bilder unterhalb wurden mit derselben Kamera und demselben Objektiv gemacht. Gleiche ISO, gleiche Blende das einzige was sich änderte, waren die Entfernung und die Verschlusszeit, die spielt in dem Fall aber keine Rolle:

Bokeh-Entfernung-1
Blende 2.8 nahe am Motiv dran

 

 

Bokeh-Entfernung-2
Blende 2.8 weiter vom Motiv entfernt

 

Die Brennweite

Ein weiterer Faktor der beim Freistellen helfen kann ist die Brennweite.

Hier gilt Je höher die Brennweite umso leichter kann ich freistellen.

Das soll nicht heißen, dass ein Ultra-Weitwinkel kein Bokeh kann. Bis zu einem bestimmten Grad geht das nämlich sogar ganz gut:

Blume am Ausee in der Oberpfalz mit dem Samyang 12mm 2.0

Das Bild oberhalb habe ich mit dem Samyang 12mm auf Blende 2.0 gemacht, ich bin so nahe rangegangen, wie es das Objektiv ermöglichte. Ich hätte ein traumhaftes Bokeh haben müssen, die geringe Brennweite führt aber dazu, dass die Unschärfe im Hintergrund deutlich weniger stark auftritt. Der Gegenentwurf dazu sieht dann wie folgt aus:

Hyazinthe mit dem SEL55210

Das Beispiel ist vielleicht etwas krass gewählt, stellt aber die beiden extremsten Brennweiten dar, die ich zur Verfügung habe. Mit dem SEL55210 auf 210mm erreiche ich einen schönen weichen Hintergrund. Ich bin zwar auch so nah ran gegangen wie möglich, konnte aber sogar auf Blende 10 freistellen. Hier ermöglicht mir die lange Brennweite sogar einen Spielraum in Bezug auf Entfernung und Blende.

Der Hintergrund

An der Stelle soll es nicht um den Hintergrund selber gehen, sondern um die Entfernung. Nämlich die, die das Motiv zum Hintergrund hat. Wenn ich Bokeh erzeugen möchte, muss ich nahe an meinem Hauptmotiv sein. Trotzdem kann ich, wenn ich die Möglichkeit habe den Hintergrund zu beeinflussen, auch hier die Unschärfe nochmal zu ändern. Zum Beispiel in dem ich die Position von Modell und Fotograf ändere und noch etwas weiter vom Hintergrund weggehe.

Das Bedeutet solange das Motiv nahe genug an der Kamera ist, wird der Hintergrund unschärfer je weiter er vom Motiv entfernt ist.

Die beiden folgenden Bilder wurden jeweils bei 210mm Brennweite bei Blende 6.3 aufgenommen. Der Fokus war auf der Naheinstellgrenze des Objektivs. Im Hintergrund der Libelle kann man, mit etwas Fantasie, durchaus noch Strukturen erkennen:

Libelle auf einem Grashalm
Libelle auf einem Grashalm

 

Das fällt hier bei dem Schmetterling schon schwerer:

Schmetterling, der an einem Baum sitzt.
Schmetterling, der an einem Baum sitzt.

Beide Bilder unterscheiden sich außer im Motiv nur in der Entfernung des Hintergrunds zum Fokus. Und auch das hat einen Einfluß auf das Bokeh.

FAZIT:

Das Bokeh hängt also nicht nur von Faktoren, wie der Blende ab. Ähnlich wie bei der Belichtung mit ISO, Verschlusszeit und Blende, habe ich die Möglichkeit über Änderungen an unterschiedlichen Stellschrauben mein Bokeh zu beeinflussen.

Zusammenfassend kann man also folgendes sagen. Um Bokeh zu erzeugen muss ich nahe am Motiv sein. Es hilft eine offene Blende zu wählen. Je näher ich am Hauptmotiv bin desto besser und bei langen Brennweiten klappt das besser als bei kurzen. Wenn der Hintergrund dann auch noch weit weg ist, ist es sogar noch besser.

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2 thoughts on “weicher Hintergrund – Bokeh, so geht’s

  1. Johannes Antworten

    WOW – unglaublich schöne Bilder zu diesem Thema. Gefallen mir wirklich gut. 🙂
    Bokeh verleiht meiner Meinung nach den Fotos einen gewissen Scharm und sie heben sich von „normalen“ Schnappschüssen ab.
    Viele Grüße
    Johannes

    • Patrick Illhardt Antworten

      Stimmt es hat schon Charme, es reduziert natürlich auch ganz hervorragend auf das Motiv und sieht je nach Objektiv und Hintergrund auch noch blendend aus 😀

      Gruß Patrick

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