Nahlinsen – kurzer Überblick und erster Eindruck

Ich achte ja immer auch auf die kleinen Details, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Da ich mich in letzter Zeit aber auch sehr auf Landschaften fokussiert hatte, wollte ich etwas neues probieren und habe mir einfach mal einen Satz Nahlinsen bestellt.

Nahlinsenpaket von Polaroid
Nahlinsenpaket von Polaroid

 

Ich hatte wenig bis gar keine Erwartungen und war einfach neugierig. Außerdem kann man für ca. 18€ theoretisch nicht viel falsch machen. Im Zweifelsfall habe ich mir ein paar gute Survival-Feuermach-Brenngläser angeschafft.

Nahlinsen funktionieren denkbar einfach und ein wenig anders als zum Beispiel Zwischenringe. Was eine Makrolinse im Prinzip tut ist folgendes:
Sie macht euer Objektiv einfach gesagt kurzsichtig. Der minimale Arbeitsabstand zum Motiv wird also verringert, gleichzeitig wird der maximale Arbeitsabstand begrenzt. Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen aber wer neugierig kann einfach kurz bei Wikipedia vorbeischauen.

Schattenseiten

Das klingt alles zu schön um wahr sein? Ist es auch. Es gibt nämlich, sagen wir mal ein paar spannende Nebeneffekte. Genau genommen vier Stück davon:

Chromatische Aberrationen

Eine einfache Nahlinse hat normalerweise immer mit chromatischen Aberrationen zu kämpfen. Das ist auch bei meinen Nahlinsen so. Mal mehr, mal weniger, aber es gibt sie.

Randunschärfe

Bei der Verwendung von Makrolinsen wird man einen starken Schärfeabfall am Rand des Bildes sehen. Je Stärker die Linse, desto mehr fällt die Schärfe am Rand ab. Bei 10 Dioptrien tritt der Effekt schon fast lächerlich stark auf.

Fokusbereich

Der Fokusbereich wird sehr, sehr schmal. Ähnlich wie die Randunschärfe hängt das wohl mit der Stärke der Linse und dem damit verbundenem Arbeitsabstand zusammen.

Bildqualität

Die Abbildungsleistung leidet unter der Verwendung von Makrolinsen. Was aber logisch ist, schließlich setze ich nochmal Glas vor mein Objektiv. An der Stelle möchte ich nicht ausschließen, dass teurere Linsen da bessere Ergebnisse liefern. Mir fehlen da die Vergleichswerte, wer da mehr weiß darf das gerne in die Kommentare schreiben, das interessiert mich dann doch.

Nahlinsen - graue Gartenwanze
Nahlinsen – graue Gartenwanze – SEL55210 mit 210mm + 4 Dioptrien

 

meine Nahlinsen

Im Paket, dass ich bestellt habe, waren unspektakulärer Weise eine Filtertasche und die Linsen in vier Stärken enthalten (1, 2, 4 & 10 Dioptrien). Mit dem 52mm Filtergewinde ist die Tasche kompakt und nimmt nicht übermäßig viel Platz weg.

Die Tasche selber ist solide verarbeitet, eben typischer Filtertaschenstoff und keine abstehenden Fäden oder ähnliche Unschönheiten. Auch die Nahlinsen scheinen solide, die Fassung ist aus Metall und ausreichend widerstandsfähig, das fühlt sich jetzt alles nicht nach absolut billigem Schrott an.

Praxis und erster Eindruck

Die Nahlinsen benutzt man wie einen Filter zum Aufschrauben. Es ist empfehlenswert sich zu überlegen an welche Objektive die Makro-Linsen kommen.
In meinem Fall waren, das das Minolta 50mm f1.4 oder das SEL55210. Beide mit 49mm Filtergewinde. Zusätzlich stand das Sigma 30mm f1.4 (52mm) im Raum. Da ich nicht abschätzen konnte in wie weit das Sinn macht, habe ich dann einfach 52mm genommen. Ich adaptiere dann einfach mit Step-UP-Ringen. Die Linsen selbst verfügen aber auch über ein Gewinde, so kann man mehrere Linsen kombinieren. Zum Beispiel 2+4 Dioptrien.

Es ist natürlich spannend in die Welt des Kleinen einzutauchen und in der Praxis funktioniert das mit den schwächeren Linsen gut. Mit der 4er Linse und besonders mit der 10er wird es, zumindest für mich, knifflig. Bei den höheren Stärken wird freihändiges Fotografieren zur Geduldsprobe, es empfiehlt sich hier ein Stativ. Man könnte dann auch mit Fokus-Stacking arbeiten(Ich verlinke an der Stelle auf einen Artikel vom Thorsten Kamann).

Bei Verwendung der Linsen macht es im Prinzip keinen Unterschied, was für ein Objektiv benutzt wird. Bei meinen Versuchen hat dies bei jedem Glas funktioniert, wie es sollte. Die Chromatischen Aberrationen sind, je nach Licht, eigentlich fast immer mehr oder weniger vorhanden, man bekommt sie aber in der Nachbearbeitung bis zu einem bestimmten Grad gut in den Griff.

Die Randunschärfe zeigt sich deutlich mit steigender Stärke der Nahlinse. Das sieht dann sehr weichgezeichnet aus, zumal die Nahlinsen den Bokeh-Effekt verstärken. Es soll Menschen geben die diesen Effekt mögen. Da zähle ich mich nicht dazu. Ich mag klare Bilder!

Man sollte auch bedenken, dass der Fokusbereich sich verschmälert, fokussieren wird also schwerer. Bei den Abständen und mit dem schmalen Bereich, der im Fokus liegt, kommt es noch mehr darauf an eine stabile Haltung einzunehmen und sich wenig zu bewegen. Da hilft auch nicht das der Autofokus in Kombination mit Nahlinsen nach wie vor funktioniert.

ohne Nahlinse
ohne Nahlinse
ohne Nahlinse
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brauche ich doch kein teures Makro-Objektiv

Also wenn du wirklich gefallen an Makrofotografie gefunden hast. Solltest du dir ein Makro-Objektiv kaufen. Die Nahlinsen können ein Makroobjektiv nicht ersetzen, auf gar keinen Fall.

Möchtest du aber gerne in das Thema reinschnuppern oder hast einfach das Problem, dass du manchmal nicht nahe genug rankommst, könnten die Nahlinsen eine nette Ergänzung in deiner Tasche oder deinem Rucksack sein. Alternative zu den Nahlinsen wären eventuell Zwischenringe, wobei ich da noch zögere. Zwischenringe mit Autofokus-Funktion sind preislich auch nicht zu verachten. Nicht in einer Liga mit einem Makro-Objektiv, aber auch bei weitem nicht so günstig wie die Nahlinsen, wobei es da auch Luft nach oben gibt.

Für meine Zwecke sind die absolut in Ordnung, ich werde wahrscheinlich nur die schwächeren beiden nutzen, wegen der Randunschärfe. Meistens wird mir das SEL55210 reichen, aber, wenn ich doch noch einen Ticken näher ran muss, habe ich was dafür einstecken. Vom ersten Eindruck her scheinen die Makrolinsen eine ganz neckische Ergänzung zu bestehender Ausrüstung zu sein, wenn man sich der Nachteile bewusst ist und sie verkraften kann und will.

 

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2 thoughts on “Nahlinsen – kurzer Überblick und erster Eindruck

  1. Agnes Antworten

    Hallo Patrick!

    Du machst sehr schöne Fotos! Wow
    Danke für diese Zusammenfassung. Ich wusste nicht genau was man von diesen Filtern erwarten kann, aber es war sehr überzeugend, was du geschrieben hast. Ich habe sie schon bestellt, und ich hoffe, ich kann noch damit paar Regentropfen im Garten erwischen 😀
    LG Agnes

    • Patrick Illhardt Antworten

      Hallo Agnes,

      Danke für deinen lieben Kommentar. Ja man tut was man kann, besser werden wollen wir ja alle. Zu den Nahlinsen: Ja die sind für das was sie kosten schon ok. Klar, Wunder darf man da nicht erwarten und ein Makrobjektiv ersetzen die auch nicht. Aber als Behelf oder schnelle Option passen die schon. =) Muss die auch mal wieder benutzen, ist ja grad Pilz-Zeit 😀

      liebe Grüße Patrick

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